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Warum die Sanierung der BR-319 durch Amazonien irreparable Schäden anrichten könnte

Die BR-319, von manchen als „schlimmste Autobahn Brasiliens“ bezeichnet, führt auf 800 km durch Zentralamazonien von Porto Velho bis Manaus. Ursprünglich von der brasilianischen Militärregierung in den frühen 1970ern erbaut, wurde die Straße in den späten 1980er-Jahren ihrem Schicksal überlassen – der Regenwald eroberte die Autobahn zurück, mittlerweile ist sie an vielen Stellen unpassierbar. 2005 beschloss die Regierung, die Straße zu sanieren. Da jedoch mittlerweile Teile der Straße in einem Naturschutzgebiet liegen, wurde per gerichtlichem Beschluss festgelegt, dass zunächst weitere Umweltstudien durchgeführt werden müssen. Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro treibt die Sanierung nichtsdestotrotz voran. Wissenschaftler warnen vor den Auswirkungen dieses Projekts.

Während die Sanierung der BR-319 laut Bolsonaro eine Vielzahl an positiven wirtschaftlichen Folgen mit sich bringt, führen die Wissenschaftler an, dass sich das Pflastern der Straße überaus negativ auf den bisher nahezu unberührten Regenwald auswirken wird.

So wird ein leichterer Zugang zu bisher nicht-erschlossenen Gebiet des Regenwaldes gewährleistet, was kommerzielle Interessen und den Siedlungsbau begünstigt, jedoch den Verlust von Regenwaldflächen bedeutet. Darüber hinaus wird es zu einer Zunahme des Holzeinschlages und der Minenaktivitäten kommen. Auch die Ansiedlung von privatwirtschaftlichen Unternehmen wird begünstigt. So werden in den an den BR-319 angeschlossenen Regionen großflächige Plantagen zum Anbau von Soja sowie der Rinderzucht entstehen können, wie es bereits in anderen Teilen Amazoniens der Fall ist. Außerdem nimmt das Risiko zu, dass Spekulation mit dem Land betrieben wird und sonstige illegale Aktivitäten an Bedeutung gewinnen. Die weitere Fragmentierung des Regenwaldes sorgt für ein höheres Waldbrandrisiko und den Verlust der Biodiversität.

Was die Abholzung und die daraus folgenden Kohlenstoffdioxidemissionen betrifft, betrachten die Wissenschaftler drei mögliche Szenarien. Im konservativsten Szenario wird nur 20 Prozent der Regenwaldfläche entlang der Straße abgeholzt, im am wenigsten konservativen Szenario werden 80 Prozent abgeholzt. Das mittlere Szenario betrifft 50 Prozent der Fläche. So werden – alleine durch die Abholzung als Folge des Ausbaus der BR-319 – im 20 Prozent – Szenario 0,541 Milliarden Tonnen CO₂  ausgestoßen. Im 80 Prozent – Szenario sind es 2,164 Milliarden Tonnen CO₂. Zum Vergleich: der gesamte CO₂ – Ausstoß von Brasilien insgesamt im Jahr 2008 lag bei rund 2,0 Milliarden Tonnen.

Nicht berücksichtigt ist hierbei die Menge an Kohlenstoffdioxid, die durch den Verlust der Regenwaldfläche in den Bäumen nicht länger gebunden wird.

Die Wissenschaftler möchten nun drei Dinge erreichen. Zum einen soll die Ausschreibung der Sanierung der Straße unterbrochen werden und bisherige Arbeiten gestoppt werden, zum anderen sollen externe Untersuchungen eingeleitet werden, welche unabhängig die ökologischen Folgen der Instandsetzung evaluieren. Drittens sollen die indigenen Völker miteinbezogen werden, welche von der Maßnahme betroffen wären.

Es bleibt nur zu hoffen, dass sie erfolgreich sind.

Quellen

Bent, Hannah (2016): Paving BR 319: effects on Amazon deforestation and climate. Chicago. URL: https://www.researchgate.net/publication/310459699

Fluter. [Hrsg.] (2019): Auf offener Straße. URL: https://www.fluter.de/autobahn-amazonas-regenwald-br-319

O’Reilly, Eileen Drage (2020): Paving Amazon highway could cause irreversible damage, researchers warn. URL: https://www.axios.com/amazon-brazil-highway-climate-damage-carbon-012fb9e8-80a5-4bd4-9e20-9660ee8209a8.html