Modell des demographischen Übergangs

Was ist das Modell des demographischen Übergangs?

Das Modell des demographischen Übergangs dient zur Darstellung der Veränderung der generativen Verhaltensweisen einer menschlichen Population. Es erstreckt sich von der vorindustriellen Bevölkerungsentwicklung mit hohen Geburten– und Sterberaten zum industriegesellschaftlichen Verhalten mit geringen Geburten- und Sterbeziffern.

Heute wird das Modell gewöhnlich in fünf Stufen dargestellt:

  1. Prätransformative Phase
  2. Frühtransformative Phase
  3. Mitteltransformative Phase
  4. Spättransformative Phase
  5. Posttransformative Phase

Hintergrund des Modells

Das Modell baut auf der in Europa und später in Nordamerika und Australien beobachten Bevölkerungsentwicklung auf.

„Vater der Konzeption“ ist Frank W. Notestein. Er teilte in drei  Phasen ein: vortransformative, Übergangs– und nachtransformative Phase.

Die fünf Phasen

Das Modell des demographischen Übergangs mit fünf Phasen By The original uploader was Mark in the wiki at German Wikipedia [Public domain], via Wikimedia Commons

Prätransformative Phase – Vorbereitung

Wie ist sie gekennzeichnet?

Hohe Geburten– und Sterberaten führen zu einem geringen, vorübergehend auch negativem Wachstum.

Die hohen Geburten- und Sterberaten sorgen für eine insgesamt recht junge Bevölkerung, in der der männliche Anteil überwiegend (bedingt durch Übersterblichkeit der Frau infolge von Schwangerschaftskomplikationen u.a.)

Wie sind die Rahmenbedingungen?

Es werden zwar viele Kinder geboren, aber Kriege, Seuchen und Hungersnöte sorgen vor dem Beginn der Industrialisierung auch für eine hohe Zahl an Sterbefällen.

Frühtransformative Phase – Einleitung

Wie ist sie gekennzeichnet?

Die Sterberate fällt deutlich, die Geburtenrate bleibt konstant. Das führt zu einer steigenden Zuwachsrate.

Die Bevölkerungspyramide erhält in dieser Zeit eine sehr breite Basis, wie man sie heute aus Entwicklungsländern kennt.

Wie sind die Rahmenbedingungen?

Mit dem Beginn der Industrialisierung (in England ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in Deutschland etwa ab 1820) sinkt v.a. die Säuglingssterblichkeit deutlich.

Wer mehr zur Säuglingssterblichkeit wissen möchte: „Der Herr hat’s gegeben; der Herr hat’s genommen“

Mitteltransformative Phase – Umschwung

Wie ist sie gekennzeichnet?

Die Sterberate geht stark zurück, die Geburtenrate beginnt zu sinken, liegt aber immer noch auf hohem Niveau. Nun werden maximale Wachstumsraten erreicht.

Wie sind die Rahmenbedingungen?

Die mitteltransformative Phase setzt etwa ab 1900 ein. Durch viel bessere Hygiene und ausgebauter medizinischer Versorgung sterben viel weniger Personen als früher.

Durch die bessere medizinische Versorgung ist es nicht mehr nötig, viele Kinder zu bekommen, da die Wahrscheinlichkeit, dass diese überleben, viel höher ist. Außerdem werden Kinder nun auch als Kostenfaktor gesehen.

Spättransformative Phase – Einlenken

Wie ist sie gekennzeichnet?

Die Geburtenrate sinkt rasch ab, die Sterberaten sind auf niedrigem Niveau und nehmen nur noch leicht ab. Dadurch geht das Tempo des Bevölkerungswachstums zurück.

Die Basis der Bevölkerungspyramide wird nun immer schmaler. Die Zuspitzung beginnt sehr viel später, da die Sterblichkeit erst in den höheren Altersklassen deutlich zunimmt.

Wie sind die Rahmenbedingungen?

Man befindet sich in der Industriegesellschaft. Es gibt eine immer größer werdende Bandbreite an Verhütungsmitteln, was die Zahl der Geburten sinken lässt.

Posttransformative Phase – Ausklingen

Wie ist sie gekennzeichnet?

Geburtenrate und Sterberate sind nun auf einem niedrigen Niveau. Das führt zu einem geringen bis stagnierenden Wachstum.

Man hat nun eine bienenkorbartige Pyramide.

Wenn die Geburtenzahlen über längere Zeit rückläufig sind und die Bevölkerung schrumpft, entwickelt sich die Pyramide zur Urnenform weiter.

Es kommt zu einem Frauenüberschuss, da Frauen in der Regel älter werden als Männer.

Wie sind die Rahmenbedingungen?

Heiraten und Familie haben nicht mehr den Stellenwert wie früher. Immer mehr Frauen entscheiden sich, eine Karriere zu machen, wodurch sie erst später Kinder bekommen. Viele Paare entscheiden sich zudem, gar keine Kinder zu bekommen und konzentrieren sich auf Karriere etc.

Kritik am Modell des demographischen Übergangs

  • es gilt meist nur für Industrieländer und ist nicht allgemein übertragbar
  • es ist kulturspezifisch und historisch relativ 
  • die bestimmenden Faktoren und ihre wechselseitigen Beziehungen sind nicht hinreichend geklärt (sind Sterblichkeit und Fruchtbarkeit eng an Verstädterung und Industrialisierung gebunden?)
  • der Prognosewert des Modells ist gering und man kann keine Anhaltspunkte über den Verlauf der Bevökerungsentwicklung gewinnen

Quellen

Jürgen Bähr (2010): Bevölkerungsgeographie. 5. Auflage, Heidelberg. 

de Lange Norbert, Geiger Martin, Hanewinkel Vera, Pott Andreas (2014): Bevölkerungsgeographie. Heidelberg.

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