Vegetation im Mittelmeerraum – Macchie und Garrigue

Übersicht über die Vegetationsformationen im mediterranen Raum

Der Mittelmeerraum hat mit seiner großen Längen- und Breitenerstreckung und auch aus vegetationsgeschichtlichen Gründen eine komplizierte horizontale und vertikale Gliederung. Die Hartlaubformation verzahnt sich auf verschiedene Weise mit den sommergrünen Laubwäldern der gemäßigten Breiten, den Steppen der trockenen Subtropen und einigen Vorposten der subtropischen Feuchtwälder.

Der natürliche Waldbestand ist im gesamten Mittelmeerraum durch immergrüne Eichenbestände gekennzeichnet. Sie gelten als eine zonale Vegetationsform. Bis auf für den Menschen unzugängliche Restbestände ist an ihre Stelle Kulturland getreten.

Kermes-Eiche (Quercus coccifera), Früchte
Früchte der Kermes-Eiche, welche auch Steineiche genannt wird. Sie kommt im gesamten Mittelmeerraum mit Ausnahme von Nord- und Mittelitalien sowie Korsika vor.
Von Koppi2, CC BY-SA 3.0

Bei den Einzelvorkommen handelt es sich um lichte Gehölze, in denen die einzelnen Baumexemplare nur eine mäßige Höhe erreichen, krüppelwüchsig sind und knorrige Äste haben. Leitarten stellen die Stein- oder Grüneiche, die vor allem im Westen angesiedelt ist, und die Kermeseiche dar, die im östlichen Mittelmeerraum wächst. Nadelhölzer wie die Aleppokiefer, die Zypresse und verschiedene Zedern spielen nur im Süden und in kontinentalen Gebieten eine Rolle.

Macchie und Garrigue

Vielerorts wurden die lichten Hartlaubwälder bereits durch eine Strauchschicht ersetzt. Aber auch unabhängig vom Wald sind Strauch- und Zwergstrauchformationen in allen Gebieten des Mittelmeerklimas weit verbreitet. Die übermannshohen Strauchgesellschaften werden mit dem Namen „Macchie“ bezeichnet. Es handelt sich um ein 2-4 m hohes immergrünes Hartlaubgebüsch, das zuweilen mit Bäumen durchsetzt ist und nur eine geringe Bodenflora zulässt.

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Macchie in der Provinz Cadiz, Spanien
Von Benutzer:Accipiter (R. Altenkamp, Berlin) – own work, CC BY-SA 3.0,

Als Leitarten gelten die Baumheide, der Erdbeerbaum und die Montpellier-Zustrose. Das Hartlaubgebüsch hält sich nicht nur an den feuchten Küstenstandorten auf wasserundurchlässigem, silikatreichen Untergrund, sondern gedeiht auch unter anderen Bedingungen.

Zwischen Strauch- und Zwergstrauchformationen gibt es viele Übergänge.Eine verbreitete Zwergstrauchgesellschaft ist die „Garrigue“. Im Unterschied zur Macchie wächst die Garigue kniehoch und stellt eine offene Pflanzengesellschaft dar. Zwischen den Zwergsträuchern kommen in großer Zahl Therophyten (einjährige Pflanzen, die durch Samen überdauern) und Geophyten (z.B. Iris, Orchideen) vor, welche ihre Blütenfülle im Frühjahr hervorrufen. Neben den krüppelwüchsigen immergrünen Eichen, verschiedenen Zistrosen und anderen Sklerophyllen enthält sie auch viele duftende Kräuter, wie Minzen, Thymian, Salbei oder Rosmarin, welche durch die Ausscheidung ätherischer Öle versuchen, die Verdunstung zu vermindern (Rother 1984, S. 77).

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Verbreitung von Macchie und Garrigue im Mittelmeerraum
bearbeitet nach https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/ea/Macchia_mediterranea_map.jpg

Da das Klima fast überall Waldwuchs ermöglicht, kann man die Strauch- und Zwergstrauchformationen als anthropogene Ersatzgesellschaften des Hartlaubwaldes auffassen. Im Mittelmeerraum liegen bereits viele Zeugen vor- und frühgeschichtlicher Besiedelung vor und schon im Altertum ist ein Kulturraum entstanden, der dem heutigen im Umfang weitgehend entsprochen hat. Ein weiterer Faktor für die Ausbreitung und Erhaltung der Strauch- und Zwergstrauchformationen sind natürliche Brände.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die unterschiedlichen Wuchsformen der Macchie und Garrigue als anthropogene Degradationsstadien des Hartlaubwaldes aufzufassen sind, die durch eine unterschiedliche Intensität des Stockausschlages, der künstlichen angelegten Brände und der Beweidung hervorgerufen werden. Bei Holeinschlägen im Abstand von 20 Jahren bildet sich eine Macchie, bei einem Rhythmus von 6-8 Jahren eine Garigue. Bei übermäßiger Nutzung setzen sich als drittes Degradationsstadium Rasengesellschaften durch. Falls diese weiter fortschreitet, bilden sich mediterrane Felsheiden bzw. vegetationsfreie Flächen (Rother 1984, S. 80)

Quellen

Rother, K.(1984): Mediterrane Subtropen. Braunschweig.

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