Zone I: Nord- und Ostseeküste und Norddeutsches Tiefland

Die erste Zone stellt die „Nord- und Ostseeküste und das Norddeutsche Tiefland“ dar. Im Mittelpleistozän rückten hier die Gletscher aus Richtung Skandinavien bis teilweise an den Rand der Mittelgebirge.

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Lage der Norddeutschen Tiefebene
Von derivative work: Elop (Ausschnitt) (talk)

So wurde in der letzten Kaltzeit (Weichselkaltzeit) das Norddeutsche Tiefland unterschiedlich geprägt, je nachdem, ob das Gebiet vom Eis noch überfahren wurde und als kuppiges Jungmoränenland zurückblieb, oder ob es von periglazialen Prozessen überformt und zu flächenhafterem Altmoränenland wurde.

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Jungmoränenlandschaften sind normalerweise sehr wellig. Hier in den Brohmer Bergen.
Von Thomas BöhmeEigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

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Altmoränenlandschaften sind dahingegen flachwellig. Hier zwischen Preußnitz und Belzig.
Von Lienhard SchulzEigenes Werk, CC BY 2.5, Link

Grundsätzlich kann man die Zone unterscheiden in:

Marschen und Küstengebiete

Die Küstengebiete setzen sich zusammen aus Nordseeküste und Ostseeküste. Im Gegensatz zur Ostsee handelt es sich bei der Nordseeküste um eine Gezeitenküste mit Marschensaum und vorgelagerten Küsten.

Die ausgedehnten Marschlandschaften entlang der deutschen Bucht sind in ihrer Entstehung auf die Gezeiten zurückzuführen. Man unterscheidet hier zwischen der stärker salzhaltigen Seemarsch und Flussmarsch, welcher sich entlang von Ästuaren bildet.

Ab 5.000 vor Christus kam es außerdem zur verstärkten Moorbildung. Man unterscheidet dabei das Niedermoor (Anstieg des Grundwasserspiegels parallel zur Mooraufhöhung, relativ hoher Nährstoffgehalt) vom Übergangsmoor (Mooroberfläche wächst durch starkes Pflanzenwachstum schneller, als der Anstieg des Grundwassers abläuft) und dem Hoch- oder Deckenmoor (Nährstoffzufuhur über Niederschläge).

Die deutsche sowie weite Teile der niederländischen Nordseeküste verlaufen dabei im Altmoränengebiet. Die Ostseeküste liegt dahingegen im Jungmoränenland und weist den Einfluss glazialer Vorformen auf.

Alt- und Jungmoränenlandschaften

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Von derivative work: Elop (Ausschnitt) (talk) Naturraeumliche Grossregionen Deutschlands plus.png based on Deutschland_Naturraeumliche_Grossregionen.png by User:NordNordWestNaturraeumliche Grossregionen Deutschlands plus.png, CC BY-SA 3.0, Link

Die norddeutsche Jungmoränenlandschaft ist geprägt von vielen Seen und glazialen Sedimenten und Formen der letzten nordischen Vereisung (Weichsel-Eiszeit). Daher ein sehr lebhaftes Relief mit abflusslosen Hohlformen. Oft handelt es sich dabei um ehemalige Toteislöcher. So konnten die Holsteinische, Mecklenburgische und Brandenburgische Seenplatte gebildet werden. Wegen des vergleichsweise geringen Alter des Gewässernetzes ist noch keine vorherrschende Entwässerungsrichtung erkennbar.

Die Altmoränenlandschaft weist dahingegen wenig Seen auf. Sie ist begrenzt durch die Linie des maximalen Eisvorstoßes in der Saale- und Elster-Eiszeit. Hierzu zählen Gebiete der älteren nordischen Vereisungen mit nur teilweise noch erhaltenen glazialen Formen. Während der Weichselkaltzeit war die Landschaft nämlich von Tundrenklima, Permafrost und periglazialer Formung geprägt. Geomorphologisch bedeutsam waren spüldenudative Prozesse sowie frostdynamische Prozesse inklusive Solifluktion.

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Die maximalen Gletschervorstöße in den letzten drei Kaltzeiten: Rot: Weichsel-Kaltzeit; Gelb: Saale-Kaltzeit; Blau: Elster-Kaltzeit
Von Botaurus in der Wikipedia auf Deutsch – Übertragen aus de.wikipedia nach Commons., Gemeinfrei, Link

Sowohl in Jungmoränen- als auch in Altmoränengebiet findet man Urstromtäler. Beispiele hierfür sind das Warschau-Berliner Ustromtal sowie das Thorn-Eberswalder Urstromtal.

Weite Teile des Altmoränengebiets sowie die Niederrheinische Bucht sind mit Löss bedeckt. Sie stellen daher sehr fruchtbare Bereiche dar. Es dominieren Podsole und Histosole.

Börden

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Von derivative work: Elop (Ausschnitt) (talk) Naturraeumliche Grossregionen Deutschlands plus.png based on Deutschland_Naturraeumliche_Grossregionen.png by User:NordNordWestNaturraeumliche Grossregionen Deutschlands plus.png, CC BY-SA 3.0, Link

Im Jungmoränengebiet haben sich mit Braunerden und Parabraunerden sehr fruchtbare Böden entwickelt. So befinden sich in der Magdeburger Börde die fruchtbarsten Böden in ganz Deutschland mit der höchsten Bodenkennzahl.

Quellen

Roland Baumhauer, Brigitta Schütt, Steffen Möller, Christof Kneisel, Elisabeth Tressel (2017): Einführung in die Physische Geographie (Geowissenschaften Kompakt). Nürnberg.

Zepp, H. (2008): Geomorphologie: Grundriss Allgemeine Geographie. 4. Aufl., Stuttgart.

Zöller, L. (2017): Die Physische Geographie Deutschlands. Darmstadt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Alt-_und_Jungmor%C3%A4ne

https://de.wikipedia.org/wiki/Norddeutsches_Tiefland

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