Die europäische Stadt – Merkmale und Gliederung

Was macht die europäische Stadt aus?

Die europäische Stadt ist durch eine sehr starke Vielfalt auf relativ kleinem Raum gekennzeichnet. Sie geht zudem auf eine lange Geschichte des Städtewesens (teilweise bis in die Antike) zurück. Es ist daher schwierig, einen eigenen Typ zu bilden.

Nachfolgend wird v.a. auf die west- und mitteleuropäische Stadt eingegangen, verkürzt wird der Begriff „europäische Stadt“ verwendet.

Europäische Stadt – Merkmale

  • Kompakte Form der Innenstadt (Altstadt) durch historische Stadtbefestigung
  • enge Straßenführung (ausgelegt auf Fußgänger und Lastkarrenverkehr) und komplexe Straßenmuster
  • Vermischung von Arbeits- und Wohnfunktion in Gebäuden
  • Bauliche Überhöhung konzentriert sich auf Repräsentativbauten geistlicher und weltlicher Macht (Rathäuser, Kirchen, Schlösser). In München z.B. darf kein Gebäude höher als die Frauenkirche gebaut werden (Quelle: sueddeutsche.de)
  • in Richtung Zentrum sind die Häuser höher als am Rand
  • Mehrgeschossbauweise nahm seit der Industrialisierung zu
  • starke Persistenz der baulichen Strukturen
  • hoher Stellenwert von Stadtbildpflege und Denkmalschutz
  • Bodenwert nimmt vom Rand zum Zentrum zu
  • ab 19. Entwicklung einer ausgeprägten Klassengesellschaft
  • belebte Innenstädte
  • „Wunden des Krieges“
Die Luftaufnahme Münchens zeigt gut die kompakte Form der Innenstadt, die niedrige Bebauung und die Ausrichtung auf Repräsentativbauten

By zoesch (https://www.flickr.com/photos/zoesch/237956424/) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons 

Eine „Wunde“ des Kriegs am Moritzplatz in Augsburg. Mittlerweile wurde das Gebäude abgerissen und durch ein dem Stadtbild besser entsprechenden Haus ersetzt.
Quelle: https://www.daz-augsburg.de/?p=34992

Europäische Stadt – klassische innere Gliederung

Ausgeprägtes Zentrum

In der Altstadt herrschen gewerbliche Funktionen und das Wohnen vor. Das Zentrum wird durch einen Grüngürtel an der Stelle der ehemaligen Befestigungsanlagen begrenzt.

Stark verdichtete Wohn- und Gewerbegebiete

Die Funktionsmischung fand während der Industrialisierung statt. Heute besteht teilweise ein erheblicher Sanierungsbedarf. Durch die Teritiärisierung zog sich das Gewerbe zurück. Zudem wurden einige Wohnstandorte durch Sanierung (Gentrifizierung) aufgewertet.

Vorortzone

In der Vorortzone befinden sich in mehreren Ringen eingemeindete Orte, die teilweise noch einen erhaltenem Dorfkern aufweisen. Es ist eine deutliche Trennung von Wohngebieten und Industrie- und Gewerbezonen sichtbar.

Suburbane Zone

Die suburbane Zone befindet sich außerhalb der administrativen Stadtgrenze.

Grüngürtel

Der Grüngürtel dient in der europäischen Stadt als Naherholungsgebiet. Er will eine bauliche Abgrenzung der Stadt herstellen sowie das Stadtklima verbessern.

Die klassische innere Gliederung in der Praxis

Die klassische innere Gliederung der mitteleuropäischen Stadt lässt sich am Beispiel Augsburg veranschaulichen:

  • das Zentrum mit City und Rathausplatz befindet sich auf einer Hochterasse
  • auf der Niedrigterasse, wenige hundert Meter weiter befindet sich die Altstadt
  • das Zentrum wird begrenzt durch Grünanlagen an den Überresten der ehemaligen Stadtmauer (z.B. am Jakoberwall und Roten Tor)
  • außerhalb befinden sich Wohn- und Gewerbegebiete, z.B. in Lechhausen und Oberhausen
  • in der Vorortzone befinden sich eingemeindete Orte wie das 1916 eingemeindete Kriegshaber 
  • in der suburbanen Zone befinden sich Orte außerhalb des administrativen Stadtgrenze Augsburgs, wie z.B. Friedberg und Gersthofen
  • der Grüngürtel reicht im Süden entlang des Stadtwald Augsburg zum Lechauwald bei Unterbergen und umfasst im Westen das Naherholungsgebiet Westliche Wälder

Neuere Herausforderungen der europ. Stadt

Die europäische Stadt steht vor tiefgreifenden sozialen Veränderungen. Dazu zählen zum Beispiel Herausforderungen durch die Integration von Zuwanderern, die Gefahr der „Ghettobildung“ und Prozesse wie die Fragmentierung. 

Außerdem stehen dem Stellenwert öffentlicher Räume Veränderungen entgegen, da viele Interaktionen privater und geschäftlicher Natur digital erledigt werden. Shopping-Center und der Onlinehandel begünstigen dieses „Aussterben der Innenstädte“. Die Innenstädte wiederum versuchen, mit Events (Shopping-Sonntage etc.) und Aktionen diesem entgegenzutreten.

Ein bestimmendes Thema ist ebenfalls die Gentrifizierung, welche häufig für Streitigkeiten zwischen verschiedenen Interessensgemeinschaften sorgt.

Auch sind Phänomene wie Individualisierung, Distanziertheit und Entsolidarisierung zu beobachten. Allgemein kann man von einer Auflösung traditioneller Strukturen sprechen.

Quellen

Heineberg, H. (2016): Stadtgeographie. 5. Auflage. Heidelberg.