Täler und Talformen

Bei Tälern handelt es sich um „lang gestreckte Hohlformen mit gleichsinnigem Gefälle, die durch fluviale Tiefenerosion und Hangdenudation entstehen und in Talhang, Talboden und Flussbett gegliedert werden. (Baumhauer et. al. 2017, S. 90)

Talformen

Man differenziert acht markante Talformen.

Klamm

Eine Klamm entsteht, wenn das Gestein durch sehr starke und lang andauernde Tiefenerosion und fehlende Hangdenudation durch das Fließgewässer eingeschnitten wird. Klammen sind also Gebirgsschluchten mit senkrechten bis überhängenden Felswänden.

Das Fließgewässer in einer Klamm nimmt häufig die komplette Breite ein.

Voraussetzung ist widerständiges, standfestes Gestein.

Beispiel für eine Klamm ist die Breitachtklamm im Allgäu.

Eine Klamm mit den charakteristisch steilen Wänden
Bildquelle: https://pxhere.com/de/photo/422344

Schlucht

Schluchten sind im Prinzip den Klammen sehr ähnlich. Sie haben jedoch keine senkrechten Felswände.

Voraussetzung ist ein weniger standfestes Gestein als bei einer Klamm, sodass es auch zu Hangabtragung kommen kann. So können sich Schluchten auch in Löss und vulkanischem Tuff ausbilden.

Beispiele für Schluchten sind der Siq in Jordanien sowie die Marienschlucht am Bodensee.

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Beim Siq in Jordanien handelt es sich um eine Schlucht
Bildquelle: https://pxhere.com/de/photo/1158433

Kerbtal

Kerbtäler werden auch als V-Täler bezeichnet, da sie einen V-förmigen Querschnitt aufweisen.

Bei Kerbtälern sind die Hänge recht steil und gerade. Es ist keine Talsohle vorhanden, was bedeutet, dass Gerinnebett und Talboden identisch sind. Der Talboden ist schmal.

Sie entstehen bei starker Tiefenerosion und Überschreitung einer kritischen Höhe, sodass vermehrt Felsstürze und Rutschungen auftreten.

Beispiele für Kerbtäler sind das Linville Gorge in North Carolina sowie das Kirnitzschtal in Sachsen.

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Das Linville Gorge in North Carolina ist ein Kerbtal (hinten zu sehen)
Bildquelle: https://pxhere.com/de/photo/490964

Canyon

Ein Cañon ist ein aufgrund intensiver Tiefenerosion stark eingeschnittenes Tal mit treppenartigem Querprofil.(Baumhauer et. al. 2017, S. 95)

Cañons (Canyons) sind Sonderformen der Kerbtäler, welche durch die Gesteinsstruktur bestimmt sind.

Talboden und Gerinnebett sind hier oft identisch. Der Fluss schneidet sich bei der Formung in wechselnd widerstandsfähige Gesteinsschichten ein. Dies führt dazu, dass bei widerständigen Gesteinen steile und bei wenig resistenten Gesteinen flache Hangabschnitte zu finden sind.

Der Grand Canyon in Arizona ist wohl das bekannteste Beispiel eines Canyons.

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Der Grand Canyon ist eine der am meisten besuchten Sehenswürdigkeiten in den USA
Bildquelle: https://pxhere.com/de/photo/542746

Sohlental

Sohlentäler werden auch als Sohlenkerbtäler oder Kerbsohlentäler bezeichnet. Hier ist eine Talsohle zwischen den Talhängen und dem Gerinnebett zu finden. Sie stellen die Leitform in den Winterfeuchten Subtropen dar.

Die Entstehung dieser Talsohle ist auf die Tiefenerosion zurückzuführen. Eine stärkere Seitenerosion weitet dabei den Talboden aus und führt zur Bildung einer Felssohle.

Bei nachlassender Transportkapazität des Wassers werden zuvor angelegte Erosionsformen durch fluviale Aufschüttung gebildet. Man spricht dann von Aufschüttungssohlentälern.

Seltener sind Abtragungssohlentäler. Sie werden infolge von Seitenerosion durch das Gewässer gebildet.

Kastental

Kastentäler weisen steile bis senkrechte Wände mit einem ebenen Talboden auf. Es kommt daher zu einem rechteckigen bis trapezförmigen Querprofil.

Dieser Taltypus entsteht in Trockengebieten mit starken Gefälle und episodischer Wasserführung. Dies führt zu starker Tiefen- und Seitenerosion.

Muldental

Wie der Name schon sagt, weisen Muldentäler ein muldenförmiges Querprofil auf. Sie gehen zurück auf eine geringe Tiefenerosion bei starker Hangdenudation und fehlender Seitenerosion.

Trogtal

Bei Trogtälern handelt es sich um glazial überformte Täler in aktuell oder ehemals vergletscherten Hochgebirgen. Die Formung erfolgt in erster Linie über glazialerosive Prozesse.

Mehr Informationen zu Trogtälern hier.

Talformen – Video

Quellen

Zepp, H. (2008): Geomorphologie: Grundriss Allgemeine Geographie. 4. Aufl., Stuttgart.

Scholz, H. (2007): Grundlagen der Geologie für Studenten der Physischen Geographie. München.

Rainer Glawion, Rüdiger Glaser, Helmut Saurer, Michael Gaede, Markus Weiler (2009): Physische Geographie. 2. Aufl. Braunschweig.

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