Bestimmungswörter

Was sind Bestimmungswörter?

Siedlungsnamen können durch Zusammensetzung aus Bestimmungswort und Grundwort entstehen. Bestimmungswörter machen in einem Kompositum den ersten Teil des Wortes ausmachen. So stellt beispielsweise das Wort „Berg“ im Ortsnamen „Bergheim“ das Bestimmungswort dar.

Bestimmungswörter können auf zahlreiche Phänomene hinweisen (vgl. Eberl 1925, S. 38-44).

Bestimmungswörter als Indiz für Personengruppen

Bestimmungswörter können eie ein Indiz für Personengruppen sein, denen der Ort gewidmet ist (Kaiser Augustus bei Augsburg) oder Personen bezeichnen, die den Ort gegründet oder als Erster in ihm gelebt haben (Otto bei Ottisried und Ottenried). Männernamen stellen hierbei die größere Anzahl, aber es gibt vereinzelt auch Orte, die von Frauennamen herrühren (z.B.: „Suuanahiltadorf“, das heutige Schweinersdorf bei Freising).

Augsburg, welches ursprünglich Augusta Vindelicorum hieß, ist nach Kaiser Augustus benannt.
Bildquelle: geohilfe.de 2018

An dieser Stelle müssen auch Völkernamen Erwähnung finden, die in der Regel Angehörige oder Splitterteile des Volkes bezeichnen, das häufig unter andersstämmiger Bevölkerung diesen Ort bewohnte (z.B. Bayreuth, Frankenberg, Sachsenburg).

Bestimmungswörter als Hinweis auf Flüsse oder Berge

Bestimmungswörter können jedoch auch auf den Fluss hinweisen, an dem die Siedlung gelegen ist. Dies ist unter Anderem der Fall bei Günzburg (am Fluss Günz), Isarhofen (an der Isar), Lechhausen (am Lech) oder Illertissen (nördlich von Memmingen an der Iller).

Eine weitere Naturgegebenheit, die in Bestimmungswörtern Verwendung findet, sind Berge bzw. Gebirge. So gehen Orte wie Bergheim auf deren Lage an einer erhöhten Fläche zurück. Einer größeren Bedeutung kommt dies allerdings in den Suffixen zu.

Bestimmungswörter als Indiz für Heilige

Weiter verbreitet sind Ortsnamen, die mit dem Namen eines Heiligen beginnen. Dazu zählen Siedlungen wie Marienstein, Johanneskirchen oder Stephanshausen. Diese Namen können entstanden sein durch „Verchristlichung“ von germanischen Götternamen, die die Grundlage früherer (hauptsächlich keltischer) Siedlungsnamen legten. Sie wurden jedoch als „heidnisch“ deklariert und so häufig durch einen christlichen Heiligennamen neu benannt.

Stände- und Berufsbezeichnungen als Bestimmungswörter

Darüber hinaus können auch Stände- bzw. Berufsbezeichnungen als Bestimmungswörter fungieren. Hierbei gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten. Der Name der bayerischen Landeshauptstadt München bedeutet ursprünglich so viel wie „bei den Mönchen“ (vgl. Berger 1999, S. 204), Frauenstein deutet auf eine Siedlung von Klosterfrauen hin und Königsstein im Taunus zum Beispiel weist auf den deutschen König als Oberherrn der dortigen Burg hin (vgl. Berger 1999, S. 167).

Die Berufsbezeichnung „Pfaffe“ (Weltgeistlicher) findet seine Verwendung in den Gemeinde bzw. Kreisstadtnamen „Pfaffenhofen“, von denen es in Deutschland vier gibt.

Bestimmungswörter als Hinweis für Tiere, Pflanzen oder Rohstoffe

Die einheimische Tier- und Pflanzenwelt sowie Rohstoffvorkommen können auch als Bestimmungswort fungieren. Als Beispiele für Tiernamen kann man hier den Ort „Falkenstein“ im Bayrischen Wald, „Wolfratshausen“ am Starnberger See oder „Fuchshausen“ als Stadtteil von Burghausen nennen.

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Das  Bestimmungswort von Wolfratshausen, der Wolf, spiegelt sich auch im Wappen der oberbayrischen Stadt wider
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Pflanzennamen treten unter anderem auf bei „Aichach“ (abgeleitet von einem nahe gelegenen Eichenwald) oder „Birkenfeld“ (Rheinland-Pfalz). Der Name der Stadt „Buchloe“ setzt sich wiederum zusammen aus dem Wort „Buche“ und dem Dativ Plural von ahd. „loh“ (Gebüsch, Wald, Gehölz). Buchloe bedeutet also wörtlich „bei den Buchengehölzen“ (vgl. Berger 1999, S. 74).

Die frühere Wichtigkeit eines bestimmten Rohstoffes lässt sich auch noch an einigen Ortsnamen ablesen, wie man an Eisenach sieht.

Adjektive als Bestimmungswörter

Abschließend lassen sich noch die Bestimmungswörter anführen, die aus Adjektiven bestehen. Dies tritt zum Beispiel auf in den Namen „Schönau“, „Freiburg“, „Neustadt“, „Langweid“ oder „Blankenburg“. Dieses Adjektiv hat auch meist eine Bedeutung.

Die Stadt „Blankenburg“ (Harz) ist nach dem ahd. Wort „blanc“ (weiß glänzend) benannt, da sie an einem hellen Fels gegründet wurde (vgl. Berger 1999, S. 63).

Das „frei“ von Freiburg ist aus dem Adjektiv mhd. „vri“ (frei, nicht gebunden) gebildet, welches sich auf die von den Gründern gewährten Freiheiten der Stadt bezieht (vgl. Berger 1999, S. 112).

Quellen

Berger, D. (1999): Geographische Namen in Deutschland. 2. überarb. Aufl., Mannheim.

Eberlb, B. (1925): Die bayerischen Ortsnamen als Grundlage der Siedlungsgeschichte. München.

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