Trockentäler – Definition, Entstehung

Trockentäler – Definition

Unter Trockentälern versteht man lineare Hohlformen, die ursprünglich durch die Tiefenerosion eines Baches oder Flusses geschaffen wurden, aber heute kein Gerinnebett mehr besitzen (Ahnert 2009).

Trockental Leinleiter Heroldsmuehle Fraenkische-Schweiz.jpg
Trockental Leinleiter in der Fränkischen Schweiz
Von UstillEigenes Werk, CC BY-SA 3.0 de, Link

Entstehung von Trockentälern

Eine Ursache für ihre Entstehung ist das Fortschreiten der Karstentwicklung selbst. Ist in der Anfangsphase das Ausgangsgestein, dicht, wenig durchlässig und mit engen Klüften, die wenig Sickerwasser aufnehmen können, fließt ein Großteil des Niederschlagswassers an der Oberfläche ab und tieft Täler ein.

Das Wasser, das in das Gestein eindringt, erweitert nach und nach dessen Klüfte und Poren durch Lösungsverwitterung. Auf diese Weise sinkt immer mehr Niederschlagswasser direkt zum Grundwasser ab anstatt an der Oberfläche abzufließen. Die Wasserläufe versiegen daraufhin, ihre Gerinnebetten werden durch lokale Denudationsvorgänge zugefüllt und die Täler werden zu Trockentälern.

Eine zweite mögliche Ursache kann sein, dass das Gestein bereits durchlässig ist, aber die vorhandenen Wasserläufe direkt auf dem Grundwasserkissen fließen und ihre Täler eintiefen. Dabei wird der Grundwasserspiegel gleichzeitig mit der Eintiefung des Tals tiefer gelegt. Erfolgt die Eintiefung des Vorfluters rascher als die der Zuflüsse, so erniedrigt er den Grundwasserspiegel entsprechend.

Im durchlässigen Gestein sinkt auch der Grundwasserspiegel in der weiteren Umgebung. Falls er unter die Höhenlage der Zuflussgerinne sinkt, so fallen diese trocken.

In den Gebieten der Erde, die während der pleistozönen Kaltzeiten mit Permafrostboden überzogen waren, bewirkte der gefrorene Boden eine allgemeine Undurchlässigkeit, die das gesamte Schmelz- und Niederschlagswasser oberflächlich abfließen ließ. Die Bäche und Flüsse konnten nun überall, wo Gefälle und Abfluss zur Erosion ausreichten, Täler eintiefen. Als der Permafrostboden taute, fielen die Flussläufe trocken, wo unterlagerndes Gestein durchlässig war und der Grundwasserspiegel tief genug lag, und ihre Becken verschwanden (Ahnert 2009).

Beispiele hierfür sind unter Anderem die zahlreichen Trockentälchen auf den Hochflächen der Schwäbischen und Fränkischen Alb oder dem Dinkelberg in Baden-Würtemberg (Leser 2003).

Quellen

Ahnert F. (2009): Einführung in die Geomorphologie. 4. Aufl., Stuttgart.

Leser, H. (2009): Geomorphologie, 9. Aufl., Braunschweig.

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