Verbraunung und Verlehmung – Definition, Ablauf, Bodentyp

Verbraunung / Verlehmung – Definition

Verbraunung bezeichnet den „Prozess, der aus einem grauen Gestein einen braunen Bodenhorizont macht“ (Stahr et. al. 2016, S. 34).

Verlehmung bezeichnet einen „weiterer[en] Prozess, der den Boden plastisch und formbar macht. [Er] erzeugt aus dem spröden Grus der ersten Verwitterung ein lehmiges Bodenmaterial “ (Stahr et. al. 2016, S. 34).

Verbraunung und Verlehmung lassen einen tiefgründigen und leistungsfähigen Boden entstehen – z.B. die Braunerde.

Verbraunung / Verlehmung – Vorkommen

Verbraunung und Verlehmung treten in erster Linie bei ozeanisch gemäßigt-kühlen, also humiden Bedingungen unter Laub- und Mischwäldern auf. Die Prozesse beginnen erst nach Entkalkung des Bodens. Der pH-Wert muss unter 7 liegen.

Verbraunung / Verlehmung – Ablauf

Bei der Verbraunung verwittern eisenhaltige Silikatminerale. Man spricht von einer Oxidationsverwitterung. Es bildet sich Eisenoxidhydrat (z.B. Goethit, Hämatit), welches die braune bis rotbraune Färbung des Bodens bewirkt.

Bei der Verlehmung bilden sich Tonminerale im Zuge der Silikatverwitterung unter feuchten Bedingungen (Hydrolyse). Die Tonminerale entstehen durch Neubildung oder Umwandlung aus verschiedenen Silikaten. Sowohl Eisenoxide als auch Tonminerale weisen eine extrem kleine Partikelgröße auf, sodass sich die Korngrößenzusammensetzung hin zu lehmig ändert – daher der Name Verlehmung.

Beide Prozesse sind eng miteinander verbunden und treten meistens zeitgleich auf. Sie werden daher unter dem Suffix v zusammengefasst. Der Unterbodenhorizont heisst demnach Bv-Horizont.

Verbraunung / Verlehmung – Bodentyp

Braunerden sind typische Böden, welche als Resultat von Verbraunung und Verlehmung entstehen. Sie gehören zu den typischen Böden der Mittelbreiten und haben sich oft aus Rankern und Rendzinen entwickelt. Braunerden sind ökologisch günstige Böden.

Braunerde Conv.jpg
(Humus)braunerde im Schwarzwald
By U. BurkhardtOwn work, CC BY-SA 3.0, Link

Das Bodenprofil von Braunerden lautet: Ah – Bv – C

Zur Erklärung:

  • Ah = humoser Oberboden
  • Bv = Unterboden durch Verwitterung verbraunt und verlehmt
  • C = Untergrund

Nach  Basensättigung unterteilt man die Braunerden in:

  • oligotrophe Braunerden (basenarm)
  • mesotrophe Braunerden (mittlere Basensättigung)
  • eutrophe Braunerden (basenreich)

In der WRB-Klassifikation werden Braunerden als Cambisol bezeichnet.

Mehr zum Ackerbau (in Form von Kartoffeln) auf Braunerde unter:

Quellen

Herrmann, Ludger (2018): Bodenkunde Xpress. Stuttgart. 

Semmel, A. (1992): Grundzüge der Bodengeographie. Wiesbaden.

Stahr, K., Kandeler, E., Herrmann, L., Streck, T. (2016): Bodenkunde und Standortlehre. 3. Auflage. Stuttgart.

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