Die Feuchten Mittelbreiten

Die Feuchten Mittelbreiten umfassen eine Fläche von 14,5 Mio. km², was einem Anteil von 9,7 % am Festland der Erde entspricht. Sie umfasst vier nordhemisphärische und drei kleinere südhemisphärische Vorkommen. Unter anderem Frankreich 🇫🇷, Deutschland 🇩🇪, der Osten der USA 🇺🇸, Nordkorea 🇰🇵, Chile 🇨🇱 und Neuseeland 🇳🇿 fallen teilweise oder komplett in die Ökozone.

Die Ausführungen hier geben nur einen Überblick über die einzelnen Charakteristika der Ökozone. Detaillierte Informationen zu den Ökozonen gibt es im Standardwerk von Jürgen Schultz: Die Ökozonen der Erde (UTB).

Die Feuchten Mittelbreiten – Verbreitung

Ausbreitung der Feuchten Mittelbreiten
Bild wurde nachträglich bearbeitet (Hervorhebung); Originale Bildquelle: Von Ökologix – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19879991

Die Ausbreitung der Feuchten Mittelbreiten ist fragmentiert, wobei die Schwerpunkte auf der Nordhemisphäre liegen. Die Breitenlage variiert unter dem Einfluss kalter und warmer Meeresströmungen. An den Westseiten der Kontinente kann sie so zwischen 40° und 60° auftreten. An den Ostseiten ist die Lage dahingegen näher am Äquator (35° bis 50°).

Im Norden folgt die Boreale Zone.

Die Feuchten Mittelbreiten – Klima

Charakteristisch für die Feuchten Mittelbreiten ist die Unbeständigkeit des Witterungsablaufs und wird bestimmt durch frontengebundene (zyklonale) Niederschlage und Wetterluftmassen unterschiedlicher Eigenschaften. Außerdem liegt ein thermischer Jahreszeitenwechsel mit längeren Übergangszeiten vor.

Man spricht von gemäßigtem Klima: die winterliche Abkühlung sowie die sommerliche Erwärmung sind geringer als in den anschließenden Ökozonen.

Die Sonneneinstrahlung ist in den Sommermonaten am höchsten.

Der Jahresniederschlag liegt bei 500 – 1000 mm. Es fällt teilweise Schnee, doch kommt es nie zu einer lang anhaltenden Schneedecke. Die Niederschläge fallen relativ gleichmäßig verteilt über das Jahr, wobei im Sommer leichte Maxima zu verzeichnen sind.

Regional gibt es eine große Vielfalt des Klimas (maritim vs. kontinental, Gebirge, Luv-Lee). Abhängig vom Kontinentalitätsgrad differenziert man von West nach Ost:

  • Maritimes Westseitenklima
  • Subozeanisches Übergangsklima
  • Kontinentalklima
  • Ostseitenklima

Warschau ist Vertreter eines kontinentalen Typs. Die Temperaturamplitude liegt bei etwa 20°C, ein Niederschlagsmaximum ist im Sommer zu verzeichnen.

Quelle: https://de.climate-data.org/location/4560/

Portland, Oregon in den USA 🇺🇸 liegt am Pazifik (maritimes Westseitenklima). Die Temperaturamplitude ist wesentlich geringer als an kontinentalen Lagen. Das Niederschlagsmaximum liegt im Winter.

Quelle: https://de.climate-data.org/location/6342/

Die Feuchten Mittelbreiten – Geomorphologie & Hyrdologie

In den natürlichen Gebieten herrscht eine relative Formungsruhe vor. Es dominieren fluviale und vom Menschen initiierte Prozesse wie Bodenerosionen. In geneigtem Gelände kommt es hin und wieder zu Massenselbstbewegungen (Hangrutsche).

Landschaftsbestimmend sind reliktische periglaziale Formen, äolische Formen (Löß), glaziale Formen und tertiäre Rumpfflächen sowie Karstformen landschaftsbestimmend. Die Verwitterungsraten sind hoch. Es kommt zu Kohlensäureverwitterung, Hyrdolyse und Hydratation.

Der Bodenwasserhaushalt ist gekennzeichnet durch winterliche Rücklagen und sommerlichen Aufbruch. Dürrestress ist sehr sehr selten. Abflussmaxima werden während der Schneeschmelze und im Sommer durch Starkregen erreicht. Ungefähr 30 % des Niederschlags gelangt im Mittel in den Abfluss.

Die Feuchten Mittelbreiten sind gekennzeichnet durch eine hohe Flussdichte. Es handelt sich um perennierende Flüsse, d.h. sie führen das ganze Jahr über Wasser. Mittlerweile haben zahlreiche Flüsse keinen mäandrierenden Charakter mehr, da sie im Laufe der Zeit begradigt wurden.

Die Feuchten Mittelbreiten – Böden

Bei den Böden der Feuchten Mittelbreiten handelt es sich in erster Linie um junge, nacheiszeitliche Böden mit lithomorphen Merkmalen. Sie haben günstige Austauschkapazitäten und Basensättigungsgrade. Großflächige verbreitet ist Löss.

Die wichtigsten Bodenbildungsprozesse sind: Lessivierung (Tonverlagerung), Verbraunung und Verlehmung.

Vorherrschende zonale Böden sind:

Vorherrschende azonale Böden sind:

Die Böden der Feuchten Mittelbreiten sind infolge von landwirtschaftlicher Nutzung etc. stark antrophogen überprägt. Man spricht von Kultosolen. 

Die Feuchten Mittelbreiten – Vegetation

Die Vegetationsperiode ist mindestens halbjährig. Unter extrem ozeanischen Klimabedingungen kann sie auch ganzjährig sein. Die Phytomasse liegt zwischen 200 und 400 t/ha. Die Streu ist leicht zersetzbar

Die natürliche Vegetation wird gebildet aus sommergrünen Laub– und Mischwäldern. Diese Wälder sind geprägt von einem saisonalen Aspektwechsel (phänologische Jahreszeiten): Im Herbst kommt es zu Laubverfärbung und Blattfall. Außerdem sterben die Sprossen der krautigen Pflanzen ab. Im Frühling treiben die Pflanzen ihre Bluten und Blätter wieder aus.  Abweichend hiervon treten in küstennahen Gebieten mit ganzjähriger Vegetationsperiode immergrüne Regenwälder auf.

Überwiegend wurden die natürlichen Wälder in Forste und Kulturland umgewandelt. Nach Angaben des Naturschutzbundes werden in Deutschland weniger als 2 % der Waldflächen forstwirtschaftlich nicht genutzt und dürfen sich natürlich entwickeln.

Die Abbildung zeigt, wie sich die Waldfläche in Deutschland in den letzten knapp 2000 Jahren verringert hat:

Die Vegetationstypen der temperaten Feuchtwälder lauten:

Immergrüne Regenwälder (temperate Laub- und Mischwälder)

Hier dominieren immergrüne Laubbäume. Ihre Verbreitung erstreckt sich über West-Patagonien, Südwest-Neuseeland und West-Tasmanien. In Westeuropa wurden sie fast vollständig vernichtet.

Temperate Feuchtnadelwälder

Es handelt sich ausschließlich um Nadelgehölzer. Außerdem findet man viele Moore vor. Die Verbreitung erstreckt sich über den Nordwesten der USA (Oregon, Washington State) und Südwest-British Columbia in Kanada.

Sommergrüne Wälder

Sommergrüne Wälder sind die Waldgesellschaften Mitteleuropas. An trockenen Standorten findet man wärmeliebende Eichenmischwälder, Eichen-Birkenwälder und Kiefernmisch/Kiefernwälder.

An frischen Standorten handelt es sich um Buchen-, Lindenmisch-, Linden-Haunbuchen-, Eichen-Hainbuchen- und Eschen-/Ahorn-Wälder. In höheren Lagen treten Nadelwälder mit Fichten, Tannen und Kiefern auf.

An feuchten Standorten findet man Weichenholzauenwald (Weiden, Grauerlen, Pappeln), Hartholzauenwald, Erlen-Eschenwald und Bruchwälder (Erle, Birke, Kiefer, Fichte) vor.

Die Feuchten Mittelbreiten – Tiere

Die Feuchten Mittelbreiten sind Überwinterungsgebiet arktisch/subarktischer Vogelarten. Viele der heimischen Vogelarten ziehen im Winter Richtung Süden.   Viele der Säugetiere halten Winterschlaf, oberirdisch lebende wechselwarme Tiere wie Amphibien,  Arthropoden (Gliederfüßer) und Schnecken gehen in Kältestarre.

Säugetiere in den Feuchten Mittelbreiten sind z.B. Rehe, Wölfe, Luchse, Bären und Elche. Allerdings kommen viele Arten nur noch in einigen wenigen Regionen vor, da sie größtenteils vom Mensch vertrieben wurden. Die Wiederansiedlung von nativen Arten (Wolf) wird häufig kritisch gesehen.

Die Feuchten Mittelbreiten – Nutzung

In den nordhemisphärischen Räumen der Feuchten Mittelbreiten findet man mit die am dichtesten besiedelten Regionen der Erde (z.B. Ballungsräume New York – Philadelphia – Washington D.C., London, Paris, Ruhrgebiet). Zudem befindet sich hier eine Reihe der am wirtschaftlich stärksten Staaten. Die natürliche Vegetation wurde und wird stark verändert, außerdem finden immense Eingriffe und Wasserhaushalt und Gewässer statt.

Es handelt sich um landwirtschaftliche Gunsträume mit fruchtbaren Böden, Regenverlässlichkeit und mildem Klima. Sehr hohe Flächenanteile befinden sich daher in land- oder forstwirtschaftlicher Nutzung. Hinsichtlich der Landwirtschaft überwiegen arbeits- und kapitalintensive flächenproduktive Mischbetriebe kleinerer und mittlerer Größe mit Getreidebau (Weizen, Mais, Roggen, Gerste, Hafer), Hackfruchtbau (Kartoffeln, Zuckerrüben) und Futterbau (Klee, Grünmasse, Futterrüben für Rinder und Schweine). Obst wird unter anderem in Form von Äpfeln, Birnen, Kirschen und Pflaumen angebaut. In den Gebirgslagen wird Forstwirtschaft betrieben. Die Agrarproduktion ist insgesamt sehr ertragreich.

Die Rohstoffvorkommen sind als mäßig bis gering einzuschätzen – Erze, Kohle, Erdöl und Erdgas wird gewonnen.

Durch den hohen Ressourcenverbrauch der Bewohner der Feuchten Mittelbreiten entstehen teils enorme Umweltprobleme wie Luftverschmutzung, Verschmutzung der Gewässer etc.

Quelle

Schultz, J. (2016): Die Ökozonen der Erde. Stuttgart (UTB). 
Titelbild: https://pxhere.com/de/photo/120285