Städtesysteme – Definition und Modelle

Städtesysteme – Definition

Städtesysteme sind Gruppen von Städten, die durch wirtschaftliche, kulturelle und soziale Beziehungen räumlich in wechselseitiger Verbindung (Interrelation) stehen.

Systembeziehungen in Städtesystemen

nach D. Bartels 1979 in Heineberg 2016 differenziert man zwischen:

Interrelationen zwischen den Städten

  • räumliche Lagebeziehungen, gemessen in verschiedenen Distanzen
  • Größen- oder Teilhabe-Relationen (z.B. als Einwohneranteile, Wirtschaftskraftverhältnisse, bezogen auf das nationale Ganze)
  • Strukturrelationen, z.B. Unterschiede der strukturellen Dimensionen, zentralörtliche Ausstattung

Interaktionen zwischen den Städten

  • Interaktionswege, d.h. Verkehrswege jeder Art (z.B. Eisenbahn, Telefon..)
  • Interaktionsströmez.B. Güteraustausch, Personenverkehr)
  • Machtbeziehungenz.B. „Hauptstädte“ und „Landesmetropolen“

Modelle von Städtesystemen

nach H.H. Blotvogel 1983 in Heineberg 2016 unterscheidet man:

Städtesystem ohne Funktionsspezialisierung

In Städten, in denen jeweils alle Funktionen lokalisiert sind, fehlen die Beziehungen zwischen den Städten ganz. Das bedeutet, die Städte sind funktional nur auf ihr Umland bezogen. In der Praxis kommt das nicht vor.

Arbeitsteilige oder sektorale Funktionsspezialisierung

Städte ergänzen sich gegenseitig funktional. Für fehlende Funktionen müssen also Leistungen der Nachbarstädte in Anspruch genommen werden ( funktionale Stadttypen wie Universitätsstädte, Hauptstadt). Das führt zu einer  extrem arbeitsteiligen Struktur (einzelne Städte übernehmen bestimmte Leistungen (Spezialkrankenhäuser, Uni, Hafen, Landesbehörden…) für andere Städte)

Hierarchische Funktionsspezialisierung

Städte bieten eine unterschiedliche Zahl von Funktionen an, so dass hierarchische Über- oder Unterordnungen im Städtesystem entstehen. Das führt zu einem zentralörtlichen System.

Hierarchischer Aufbau

Die ökonomischen Steuerungs- und Kontrollfunktionen finden in den großen Zentren statt.

Heute sind in Deutschland zahlreiche Agglomerationsräume und größere Städte ausgewogen verteilt. Es gibt keine Primatstadt oder Metropole. Betrachtet man nur die neuen Bundesländer für sich, sind diese jedoch räumlich nicht ausgeglichen. Einem städtereichen, stärker industrialisierten Süden (mit Leipzig-Halle, Dresden, Chemnitz) steht ein städteärmerer, dünner besiedelter und wirtschaftsstrukturell schwacher Norden gegenüber. Seit der Wiedervereinigung überragt Berlin das übrige Städtesystem der ehemaligen DDR.

Quellen

Heineberg, H. (2016): Stadtgeographie. Heidelberg.

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